Sonntag, 8. Juni 2014

Urlaubstorte oder: wie weit kann ich Torten im voraus machen?

Zurück aus dem Urlaub muss ich doch mal schnell von meiner Urlaubstorte berichten. Die habe ich für das Kuchenbuffet einer Hochzeit gemacht, zu der wir während des Urlaubs eingeladen waren.

Da ich nicht meinen ganzen Deko-Utensilienkoffer mitnehmen konnte, habe ich versucht, schon so viel wie möglich im Vorfeld zu erledigen, so dass ich in Bayern "nur" noch die Torte zusammensetzen musste. 

Zusätzlich konnte ich nun endlich mal ausprobieren, wie lange man eine Torte im voraus "vorbereiten" kann. Ich habe schon des Öfteren vor diesser Frage gestanden und bin auch schon in verschiedenen Foren auf dieser Fragestellung gestossen.
Leider gabs irgentwie nie eine "erfahrene" Antwort- nur immer diese "es müsste so und so gehen..." oder "nein, soweit im voraus geht das auf keinen Fall!!". Ich habe vieles davon einfach nicht geglaubt und wollte es irgentwann mal selbst ausprobieren.

Meine Aufgabe war also folgende: Dienstag gehts gen Bayern (ca. 700km von zu Hause entfernt), Samstag war die Hochzeit, eine hübsche Torte sollte her und im Auto kaum noch Platz für Utensilien.

Ich habs dann wie Barney Stinson genommen: "Herausforderung angenommen!"

Ein paar Tage vor Abreise 

...habe ich bereits die Zuckeblumen hergestellt. Diese hier sollten es sein. Wobei Zuckerblumen ja generell unkritisch sind, solange sie gut ausgehärtet und bruchsicher verpackt sind. 
Man kann sie locker schon Wochen im voraus machen und sich einen Stressfaktor sparen. 

Transportbox für Zuckerbumen: 
Ich habe einen passenden Karton mit einer Schaumstofflage ausgelegt und die Blumen einzeln mit "Trocknungsringen" aus Papiertaschentüchern reingelegt. Dann noch eine Schaumstofflage drüber und Deckel drauf. So konnten die Blumen nicht mehr hin und her rutschen, schlugen nicht aneinander und alles kam heile an.

Als Kuchen gabs einen Eierlikörkuchen, weil ich von dem wusste, dass er recht lange frisch bleibt. Überhaupt liegt das "im voraus machen" sicher auch am guten Kuchen! Den hab ich am... 

Montag 

...gebacken, auskühlen lassen und gut mit Frischhaltefolie umwickelt. Dann habe ich den Kuchen wieder in die Backform gesteckt- somit sollte gesichert sein, dass er beim Transport keine Macken bekommt.

Ausserdem im Gepäck:
  • den bereits fertigen Rollfondant
  • Schleifenbänder für Torte und Cakedrum
  • Cakeboard+Cakedrum in der passenden Größe
  • meine "Reisedrehplatte" mit Arbeitstortenplatte (ein kleiner Drehteller, auf den ich meine Arbeitstortenplatte aufstelle: geht genauso gut wie die große, nimmt aber nicht so viel Platz weg)
  • meine Ausrollstäbe (gross+klein)
  • Japanspachtel und Kuchenkarten
  • ein bissl Werkzeug (Ball-Tool, Nadel-Tool)
  • Kneifer
  • Palmin soft
  • Lebensmittelkleber
  • ein paar JEM Patchworkcutter und -stempel:
und zu Guter Letzt:
  • eine Transportbox! Diese IKEA-Spielzeug-Box hat mir schon gute Dienste erwiesen. Wenn unten die Tortenplatte (hat einen kleinen Fuss) drin steht (ich stelle sie immer auf ein leicht angefeutetes Schwammtuch, damit sie auch wirklich nicht verrutschen kann), passt genau ein Cakedrum mit einem Durchmesser von 30,5cm. Das sitzt wirklich bombenfest!
 Mittwoch

Eine aufwändige Füllung fiel schon allein deshalb aus, weil ich nicht wusste, was mich in der Ferienwohnung küchenmässig erwartete. Also war auch schnell klar, dass es eine einfache Vollmilchganache geben sollte. Zum Einstreichen habe ich mich für eine Zartbitterganache entschieden.

Die Zutaten für Ganache kriegt man eigentlich überall:

Ganache zum Füllen:
 
Zartbitter: 200ml Sahne + 200g Zartbitterküvertüre
oder
Vollmilch: 200ml Sahne + 300g Vollmilchkuvertüre
oder
Weiß: 200ml Sahne + 400g  weiße Kuvertüre

Sahne aufkochen, bis sie anfängt zu "wimmern". Topf von der Platte nehmen und die gehackte Kuvertüre reinschütten. Langesam und gefühlvoll umrühren, bis die Kuvertüre geschmolzen ist und sich eine homogene Masse gebildet hat. Den Topf über Nacht an eine kühlen Ort (z.B. Keller) stellen. Nicht abdecken!
Vor dem Füllen kann man die Ganache mit einem Handmixer kurz aufschlagen. Dann wird sie noch etwas fluffiger und lässt sich besser aufstreichen. Nicht zu lange schlagen, sonst flockt sie aus und dann ist sie hin. :-(

Ganache zum Einstreichen:
 
Zartbitter: 200ml Sahne + 400g Zartbitterküvertüre
oder
Vollmilch: 200ml Sahne + 500g Vollmilchkuvertüre
oder
Weiß: 200ml Sahne + 600g  weiße Kuvertüre


Sahne aufkochen, bis sie anfängt zu "wimmern". Topf von der Platte nehmen und die gehackte Kuvertüre reinschütten. Langesam und gefühlvoll umrühren, bis die Kuvertüre geschmolzen ist und sich eine homogene Masse gebildet hat. Den Topf über Nacht an eine kühlen Ort (z.B. Keller) stellen. Nicht abdecken!
Vor dem Einstreichen etwas anwärmen (z.B. im Wasserbad). Dann gehts ganz einfach.

Ganache ist generell Fondanttauglich!


Am Donnerstag 

..vor der Hochzeit habe ich im Feriendomizil dann die Böden geschnitten. Der Kuchen war immer noch total fluffig und saftig. Vielleicht sogar etwas zu fluffig. Demnachst hole ich ihn schon ein paar Stunden vorher aus der Folie... Hätte sicher auch noch weitere 1-2 Tage vorher schon gebacken werden können, aber ich wollte nix riskieren. 
Die Torte wurde gefüllt, kurz gekühlt und dann mit der Zartbitterganache eingestrichen. Das ganze ab in den Kühlschrank bis 

Freitag

...wo es dann endlich ans dekorieren ging. Um eine gute Haftung für die Fondantdecke zu erzielen habe ich mir eine hochkonzentrierte Zuckerlösung gemacht. Dazu habe ich eine "frei-Hand-"Menge Zucker mit etwa der gleichen Menge Wasser aufgekocht und erkalten lassen. Das ergibt einen ganz klebrigen Zuckersirup. Damit wurde die kalte Ganachetorte flott eingepinselt und die Fondantdecke wie gewohnt aufgebracht.

Ebenso habe ich das Cakedrum vorbereitet. Um die Schleifenbänder um das Drum und um die Torte zu fixieren, sowie die Torte selbst auf dem Drum zu befestigen habe ich mir ein wenig Royal-Icing aus 1 Eiweiß und 250g Puderzucker gemacht, den ich mit einem abgeschnittenen Gefrierbeutel aufgespritz habe. Musste ja nicht besonders ordentlich aussehen...

Das Cakedrum habe ich mit meinen JEM-Stempeln bestempelt, die Torte wurde mit dem JEMCutter geprägt. Das wollte ich immer schon mal ausprobieren. Allerdings erfordert es auch etwas Übung, bis alles gleichmässig schön geprägt ist, wie ich feststellen musste.
Die Fugen des JEMCutters haben mir wg. dieser mangelnden Übung nicht so super gefallen, deshalb habe ich sie mit einfacher Stärke großzügig eingerieben. Den Effekt fand ich echt gut und es fiel nicht mehr so dolle auf, dass ich nicht gleichmässig Druck aufgebracht hatte. 


Zum Schluss gabs noch eine Kneifer-Bordüre und die Zuckerblumen (die sogar erst für Seidenblumen gehalten wurden-was mich ein wenig stolz machte!) wurden mit Lebensmittelkleber aufgeklebt.

Samstag-Tag der Feier

Und fertig war sie- die Urlaubs-Hochzeitstorte! Wer genau hinschaut, kann sogar den Chiemsee im Hintergrung erkennen ;-) 
 


Der Transport (nochmal ca. 80km) in der Box hat wie erwartet super geklappt.

Die Moral von der Geschicht´:

6 Tage vorher den Kuchen backen, 2 Tage vorher füllen, einen Tag vorher eingedecken und dekorieren, dann noch ein paar km durch die Landschaft fahren -klappt wunderbar und schmeckt immer noch! 
Man muss sich nur trauen! ;-)


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